Stellen Sie sich vor, Sie nehmen jeden Morgen drei verschiedene Pillen. Sie wissen, dass eine davon Blutdruck senkt, eine andere den Blutzucker kontrolliert, und die dritte hilft gegen Schmerzen. Aber die Schrift auf den Flaschen ist so klein, dass Sie sie nicht lesen können. Sie greifen nach der falschen Flasche. Sie nehmen die falsche Dosis. Das kann tödlich sein. Für mehr als 8 Millionen Amerikaner über 65, die unter Sehbehinderung leiden, ist das keine Theorie - das ist Alltag. Doch es gibt eine Lösung: Großdruck und zugängliche Rezeptetiketten.
Warum kleine Schrift auf Rezeptetiketten lebensgefährlich sein kann
Standard-Rezeptetiketten sind für Menschen mit gutem Sehvermögen gemacht. Sie haben eine Schriftgröße von 8 bis 10 Punkten. Für jemanden mit Makuladegeneration, Glaukom oder Diabetes-bedingter Sehverschlechterung ist das unmöglich zu lesen. Eine Studie des National Center for Biotechnology Information zeigte: Die meisten Menschen mit mittlerer Sehbehinderung können Schrift unter 14 Punkten nicht entziffern. Das bedeutet: Sie vertrauen auf andere - Kinder, Pfleger, Nachbarn. Aber wer kann schon immer da sein? Wer weiß, ob die Person die Anweisungen richtig versteht? Wer kontrolliert, ob die Medikamente noch gültig sind?
Fehler passieren. Häufig. Eine Umfrage der American Council of the Blind ergab: 67 % der sehbehinderten Menschen haben mindestens einmal ein Medikament falsch eingenommen, weil die Etiketten unlesbar waren. Das führte zu Überdosierungen, verpassten Dosen oder der Einnahme von abgelaufenen Tabletten. Die Folgen: Krankenhausaufenthalte, Notfallbehandlungen, manchmal sogar Tod.
Was genau ist ein Großdruck-Rezeptetikett?
Ein Großdruck-Rezeptetikett ist kein normales Etikett, das einfach nur größer gedruckt wurde. Es ist ein speziell gestaltetes Etikett, das nach klaren, wissenschaftlich geprüften Standards erstellt wird. Die American Foundation for the Blind (AFB) empfiehlt eine Mindestschriftgröße von 18 Punkten - oft sogar 24 Punkte, wenn Platz ist. Die Schriftart muss serifenlos sein: Arial, Verdana oder APHont™, eine Schrift, die speziell für Menschen mit Sehbehinderung entwickelt wurde und kostenlos von der American Printing House for the Blind erhältlich ist.
Die Farben sind entscheidend: schwarze Buchstaben auf weißem Hintergrund. Kein Grau, kein Beige, kein rosa. Kein Glanzpapier - nur matt, damit kein Licht reflektiert und die Schrift verschwimmt. Die Anweisungen stehen linksbündig, in Kleinbuchstaben, außer bei Zahlen - die bleiben groß und klar. Gelbe Hervorhebungen markieren wichtige Hinweise wie „Nicht mit Alkohol trinken“ oder „Auf nüchternen Magen einnehmen“.
Aber hier ist das Problem: Ein normales Rezeptetikett ist klein. Es passt nicht alles auf eine Flasche. Deshalb verwenden viele Apotheken einen „Duplikat-Ansatz“. Sie kleben ein zusätzliches, größeres Etikett daneben - oft mit einem farbigen Streifen, damit man es sofort erkennt. So bleibt das Original erhalten, aber der Patient kann die wichtigen Informationen lesen.
Was ist ScripTalk und wie funktioniert es?
Nicht jeder kann auch mit Großdruck gut lesen. Manche Menschen sind fast blind. Für sie gibt es Audiorezeptetiketten. Die bekannteste Technologie heißt ScripTalk. Sie funktioniert mit RFID-Chips - wie die, die in Kreditkarten oder Zugtickets stecken. Der Chip ist unter dem Etikett versteckt. Mit einem kleinen, kostengünstigen Lesegerät (oder einer Smartphone-App) hält man die Flasche davor. Sofort spricht eine klare, natürliche Stimme: „Ibuprofen 200 mg. Einnehmen: Eine Tablette dreimal täglich nach dem Essen. Gültig bis 12.05.2026. Warnung: Kann Magenreizungen verursachen.“
Das ist kein Audio-Book. Es ist die exakte, vollständige Information vom Apotheker - genau so, wie sie auf dem Etikett steht, aber hörbar. Die Technik ist seit 2014 in den USA verfügbar. Heute nutzen mehr als 7.200 CVS-Apotheken ScripTalk. Bis Ende 2024 soll es in allen 9.900 Standorten der Kette verfügbar sein. Walgreens und Walmart bieten ähnliche Systeme an.
Der Vorteil? Es ist unabhängig von Sehvermögen. Es funktioniert bei Dunkelheit. Es funktioniert, wenn die Hände zittern. Es funktioniert, wenn man müde ist. Und es verhindert Fehler, die durch falsches Lesen entstehen.
Braille - eine Lösung für Wenige
Braille ist eine weitere Option. Aber nur etwa 10 % der Menschen mit Sehbehinderung können Braille lesen. Das liegt an mehreren Gründen: Viele erblindeten erst im Erwachsenenalter und lernten nie Braille. Andere haben nur noch geringes Sehvermögen - sie brauchen Großdruck, nicht Tasten. Und Braille-Etiketten brauchen spezielle Drucker, die nicht jede Apotheke hat. Sie sind auch teurer und schwerer zu aktualisieren. Deshalb ist Braille keine universelle Lösung - aber für diejenigen, die sie beherrschen, ein wertvolles Werkzeug.
QR-Codes und digitale Hilfe: Die neue Generation
Einige Apotheken, wie UK HealthCare, setzen auf QR-Codes. Sie kleben einen kleinen Code an die Flasche. Mit der Kamera des Handys scannen Sie ihn. Danach öffnet sich eine App, die den Inhalt laut vorliest - manchmal sogar mit Übersetzungen oder Erklärungen in einfacher Sprache. Das System heißt ScriptView. Es ist besonders nützlich für ältere Menschen, die nicht mit Sprachassistenten vertraut sind. Sie brauchen nur ein Smartphone - und jemanden, der ihnen einmal zeigt, wie es funktioniert.
Noch innovativer ist die Integration von KI. Die App „Be My Eyes“ verbindet sehbehinderte Menschen per Videoanruf mit freiwilligen Helfern, die die Etiketten vorlesen. Im Juni 2023 wurde diese Funktion speziell für Rezeptetiketten erweitert. Seitdem wurden über 1,2 Millionen Etiketten von Freiwilligen vorgelesen - monatlich. Es ist kein Ersatz für professionelle Etiketten, aber eine lebensrettende Brücke, besonders in ländlichen Gebieten oder wenn die Apotheke noch keine Zugänglichkeit anbietet.
Wie bekommt man solche Etiketten?
Sie müssen nicht warten, bis Ihre Apotheke sie von alleine anbietet. Sie müssen es einfach fragen. In den USA sind große Apothekenketten wie CVS, Walgreens und Walmart verpflichtet, auf Anfrage Großdruck-, Audiounterstützung oder QR-Code-Etiketten bereitzustellen - das ist gesetzlich geregelt durch das FDA Safety and Innovation Act von 2012. Und seit 2022 hat das Justizministerium klargestellt: Wer das nicht anbietet, verstößt gegen das Americans with Disabilities Act.
Geht in Ihre Apotheke und sagen Sie klar: „Ich brauche ein Großdruck-Etikett für meine Medikamente.“ Oder: „Können Sie mir ein ScripTalk-Etikett geben?“ Oder: „Haben Sie QR-Codes mit Sprachausgabe?“
Viele Apotheker wissen es nicht. Eine Umfrage ergab: 37 % der negativen Erfahrungen kamen daher, dass das Personal nichts davon gehört hatte. Also: Seien Sie beharrlich. Fragen Sie nach dem „Accessible Labeling Service“. Fragen Sie nach der „ScriptAbility“- oder „ScripTalk“-Option. Wenn sie sagen „Nein, das haben wir nicht“, fragen Sie nach der Apothekenleitung. Oder rufen Sie die Zentrale der Kette an - die kennen die Regeln.
Und wenn Sie in Deutschland leben: Die gesetzlichen Vorgaben sind hier nicht so klar wie in den USA. Aber viele Apotheken bieten freiwillig Großdruck an. Fragen Sie. Und wenn sie ablehnen, schreiben Sie eine E-Mail an die Bundesapothekerkammer. Die fordern seit Jahren mehr Zugänglichkeit.
Was kostet das?
Gute Nachricht: Es kostet Sie nichts. Kein Aufpreis. Keine extra Gebühr. In den USA ist es kostenlos - und das ist gesetzlich so vorgeschrieben. In Deutschland ist es nicht verpflichtend, aber viele Apotheken machen es kostenlos, weil es die richtige Sache ist. Die Kosten trägt die Apotheke - entweder durch größere Etiketten, Scannergeräte oder Software. Die jährlichen Ausgaben für eine Apotheke liegen zwischen 500 und 2.000 Euro - aber das ist ein Investition in Sicherheit. Und die Kosteneinsparungen durch verhinderte Krankenhausaufenthalte sind zehnmal höher.
Was sagen Nutzer?
Auf Reddit schreibt ein Nutzer mit dem Namen „VisionLiberation“: „Seit meine Apotheke Großdruck-Etiketten (18-Punkt-Arial) anbietet, nehme ich nicht mehr zweimal pro Woche die falsche Pille. Das ist lebensverändernd.“
Auf Healthgrades haben 1.247 Nutzer die Zugänglichkeit von Rezeptetiketten mit 4,7 von 5 Sternen bewertet. Die häufigsten Kommentare: „Endlich kann ich meine Medikamente selbst lesen.“ Und: „Ich habe keine Angst mehr, etwas Falsches zu nehmen.“
Ein 78-jähriger Diabetiker in Kentucky reduzierte nach dem Wechsel zu einem QR-Code-Etikett mit Sprachausgabe seine Unterzuckerungen um 75 %. Das ist kein Zufall. Das ist Ergebnis einer klaren, gut gemachten Lösung.
Was kommt als Nächstes?
Die Zukunft ist digital. Die FDA arbeitet an neuen Regeln: Bis 2026 sollen auch elektronische Rezepte und Patientenportale barrierefrei sein. Das bedeutet: Wenn Ihr Arzt Ihnen ein Rezept per Online-Portal schickt, muss es auch für Screenreader lesbar sein. Apotheken müssen dann auch die digitalen Etiketten anpassen.
Auch die Technik wird besser. KI-Systeme, die automatisch Etiketten in einfache Sprache übersetzen, sind im Test. Sprachassistenten wie Alexa oder Google Home sollen bald in der Lage sein, Medikamenteninformationen direkt aus der Apotheke abzurufen - ohne Smartphone.
Aber die wichtigste Entwicklung ist die gesellschaftliche: Sehbehinderte Menschen fordern nicht mehr nur Mitleid. Sie fordern Teilhabe. Und das ist kein Luxus - das ist ein Menschenrecht.
Was können Sie tun?
Wenn Sie selbst Sehbehinderung haben: Fragen Sie nach Großdruck, Audiounterstützung oder QR-Codes. Machen Sie es zur Normalität. Sagen Sie es anderen. Teilen Sie diese Informationen.
Wenn Sie jemanden pflegen, der schlecht sieht: Gehen Sie mit ihm in die Apotheke. Fragen Sie nach den Optionen. Helfen Sie ihm, das richtige Etikett zu wählen.
Wenn Sie Apotheker sind: Trainieren Sie Ihr Team. Legen Sie Großdruck-Etiketten auf Lager. Installieren Sie ScripTalk-Lesegeräte. Machen Sie es sichtbar - mit einem Schild an der Theke: „Wir bieten Großdruck, Audiorezepte und QR-Codes an.“
Wenn Sie Angehöriger, Politiker oder Journalist sind: Fordern Sie mehr. Schreiben Sie an Ihre Apothekerkammer. Unterstützen Sie Initiativen für barrierefreie Medikation. Denn das ist kein Thema für eine kleine Gruppe. Es ist ein Thema für alle, die älter werden. Und das sind wir alle.
Kann ich Großdruck-Rezeptetiketten auch in Deutschland bekommen?
Ja, aber nicht gesetzlich verpflichtend wie in den USA. Viele deutsche Apotheken bieten Großdruck auf Anfrage kostenlos an - besonders in größeren Städten oder bei Apotheken mit Schwerpunkt auf Senioren. Fragen Sie direkt nach „Großdruck-Etiketten“ oder „barrierefreien Rezeptetiketten“. Wenn die Apotheke ablehnt, wenden Sie sich an die Bundesapothekerkammer oder die Deutsche Blinden- und Sehbehindertenvereinigung (DBSV). Sie setzen sich für mehr Zugänglichkeit ein.
Welche Schriftgröße ist wirklich ausreichend?
Mindestens 18 Punkte. Studien zeigen, dass Menschen mit Sehbehinderung Schrift unter 14 Punkten nicht lesen können. 18 Punkte ist der empfohlene Standard der American Foundation for the Blind. 24 Punkte ist ideal, wenn Platz auf der Flasche reicht. Wichtig ist auch die Schriftart: Sans-Serif wie Arial oder Verdana. Keine kursiven, keinen Kalligraphie-Stil. Und immer Schwarz auf Weiß - kein Grau, kein Gelb, kein Beige.
Ist ScripTalk auch mit meinem Smartphone kompatibel?
Ja. ScripTalk funktioniert mit einer kostenlosen App, die Sie im App Store oder Google Play herunterladen können. Die App nutzt das Mikrofon und die Kamera Ihres Smartphones, um den RFID-Chip auf der Flasche zu erkennen. Sie brauchen kein zusätzliches Gerät - nur ein Smartphone mit Bluetooth und einer stabilen Internetverbindung. Die App ist einfach zu bedienen und spricht die Medikamenteninformationen laut vor - wie ein persönlicher Apotheker.
Warum gibt es keine Braille-Etiketten bei allen Apotheken?
Weil nur etwa 10 % der Menschen mit Sehbehinderung Braille lesen können. Die meisten erblindeten erst im Erwachsenenalter und lernten nie Braille. Außerdem braucht man spezielle Drucker, die teuer sind und nicht jede Apotheke hat. Braille-Etiketten sind auch schwerer zu aktualisieren - wenn sich die Dosierung ändert, muss das ganze Etikett neu gedruckt werden. Großdruck und Audiounterstützung sind deshalb viel praktischer und universeller.
Können auch Menschen mit Lese- oder Sprachschwierigkeiten von diesen Etiketten profitieren?
Absolut. Audiorezeptetiketten wie ScripTalk helfen nicht nur blinden Menschen, sondern auch Menschen mit Dyslexie, Demenz oder kognitiven Einschränkungen. Wenn jemand Schwierigkeiten hat, lange Texte zu lesen oder komplexe Anweisungen zu verstehen, ist die Sprachausgabe eine große Erleichterung. Einige Systeme bieten sogar die Möglichkeit, die Sprachausgabe in einfacher Sprache oder mit langsamerer Geschwindigkeit abzuspielen. Das macht Medikamente für alle zugänglicher - nicht nur für Sehbehinderte.
Kim Sypriansen
Dezember 9, 2025 AT 00:17Es ist erstaunlich, wie viele Menschen tagtäglich mit solchen Risiken leben, ohne dass es als gesellschaftliches Problem anerkannt wird. Wir reden hier nicht über Luxus, sondern über elementare Sicherheit. Jeder Mensch, egal wie gut oder schlecht er sieht, hat das Recht, seine Medikamente selbst zu verstehen. Das ist kein Bonus, das ist Menschlichkeit.
Und dass es in Deutschland nicht gesetzlich verpflichtet ist, ist ein Skandal. Nicht weil es teuer wäre, sondern weil es einfach nicht prioritär genug behandelt wird. Wir investieren Millionen in digitale Gesundheitsapps, aber vergessen die Grundlagen.
Ich hoffe, dass diese Diskussion mehr Apotheken dazu bringt, einfach zu fragen - statt zu warten, bis jemand krank wird, weil er die Dosis nicht lesen konnte.
Thorvald Wisdom
Dezember 10, 2025 AT 22:48Ach ja, wieder die übliche Wohlfühl-Story: „Sehbehinderte = Opfer, Apotheken = Bösewichte, Technik = Retter“. Wie charmant. Die echte Frage ist: Wer bezahlt das alles? Und wer will wirklich ein Smartphone an jede Pillenflasche hängen, damit Mama ihr Ibuprofen vorlesen kann? Die Apotheke ist kein Service-Center für technische Hilfsmittel, sondern ein Ort, an dem man Medikamente kauft - nicht ein Hörbuch für Senioren.
Und ScripTalk? Cool. Aber wer hat das Gerät? Wer versteht, wie man eine App öffnet? Wer nicht, der bekommt Hilfe von den Kindern. Punkt. Alles andere ist überdesignierte Selbstbetrügerei.
Und nein, ich will nicht, dass meine Rezepte in 24-Punkt-Arial gedruckt werden. Ich will, dass sie schnell und sauber abgegeben werden. Nicht als Kunstprojekt für die Sozialarbeiterin.
Heinz Zimmermann
Dezember 11, 2025 AT 21:50Ich hab das letzte Jahr bei meiner Oma gesehen - sie hat sich jedes Mal vor der Apotheke gefürchtet, weil sie die Etiketten nicht lesen konnte. Dann hat sie einfach nach Großdruck gefragt. Die Apothekerin hat gesagt: „Klar, machen wir doch!“ Und das war’s. Kein Aufwand. Kein Drama.
Die meisten Apotheken in Deutschland machen das freiwillig, wenn man es einfach fragt. Es ist kein Hexenwerk. Man muss nur nicht schweigen. Ich hab meinen Nachbarn, der auch schlecht sieht, vor zwei Wochen dazu gebracht, es zu versuchen. Jetzt nimmt er seine Pillen ohne Angst. Einfach.
Und nein, man braucht kein Smartphone. Großdruck reicht. Einfach. Menschlich. Und kostenlos.
Peter Priegann
Dezember 12, 2025 AT 18:21Hört mal zu, Leute. Ich hab’ in der Apotheke gesehen, wie ein Typ mit einer Brille so dick wie ein Glasboden die Pillen rausgesucht hat - und dann hat er die Flasche auf den Boden gestellt, weil er die Schrift nicht lesen konnte. Und der Apotheker hat gesagt: „Fragen Sie doch mal nach Großdruck.“
Was? Das ist nicht normal? Das ist doch Wahnsinn! Wer hat sich das ausgedacht? Wer hat beschlossen, dass Menschen mit schlechtem Sehvermögen einfach auf andere angewiesen sein sollen? Das ist kein medizinisches Problem, das ist ein gesellschaftliches Versagen!
Und jetzt kommt noch ScripTalk? Mit RFID-Chips? Das ist doch wie ein Kreditkarten-Chip, aber für Pillen! Wer hat das erfunden? Ein Genie? Oder jemand, der zu viel Science-Fiction guckt?
Und dann noch QR-Codes? Ich hab’ meinen Opa gesehen, wie er versucht hat, den Code zu scannen - mit den Händen, die zittern wie ein Blatt im Wind. Und er hat gesagt: „Ich verstehe das nicht.“
Wir brauchen keine Technik. Wir brauchen klare, große Schrift. Schwarz auf Weiß. Punkt. Nicht mehr. Nicht weniger. Alles andere ist nur eine Ausrede dafür, dass wir nicht wollen, dass alte Leute selbstständig sind.
Tim Schneider
Dezember 13, 2025 AT 23:33Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen Zugänglichkeit und Überregulierung. Wenn man die Schriftgröße erhöht, ist das eine einfache, kostengünstige Lösung. Wenn man RFID-Chips und Apps einführt, wird es komplex. Und Komplexität schafft neue Barrieren.
Die meisten Menschen mit Sehbehinderung, die ich kenne, bevorzugen Großdruck. Sie brauchen keine Stimme, die ihnen sagt, was sie auf dem Etikett steht. Sie brauchen nur die Möglichkeit, es selbst zu sehen. Und das ist machbar. Ohne Technik. Ohne Smartphone. Ohne App.
Die Frage ist nicht, was möglich ist. Die Frage ist: Was ist notwendig? Und die Antwort ist: Großdruck. Alles andere ist Zierde - nicht Bedarf.
Matthias Wiedemann
Dezember 14, 2025 AT 09:40Ich find’s einfach traurig, dass wir hier so viel diskutieren, obwohl die Lösung so nah liegt. Es ist doch nicht schwer, eine Flasche mit größerer Schrift zu beschriften. Es ist doch nicht schwer, einen Apotheker zu bitten, es zu tun. Es ist doch nicht schwer, sich einfach mal hinzusetzen und zu fragen: „Wie würde ich das machen, wenn ich das nicht sehen könnte?“
Und dann kommt noch diese ganze Technik mit ScripTalk - das ist doch toll, wirklich. Aber es ist nicht für alle. Es ist nicht für alle, die keine Smartphones haben. Es ist nicht für alle, die Angst vor Technik haben. Es ist nicht für alle, die einfach nur eine klare, große Schrift brauchen.
Warum machen wir es nicht einfach? Warum müssen wir immer alles komplizierter machen? Großdruck. Schwarz auf Weiß. Punkt. Fertig.
Und wenn jemand das nicht hat, dann ist das nicht seine Schuld. Das ist die Schuld eines Systems, das zu lange geschlafen hat.
Denis Haberstroh
Dezember 16, 2025 AT 06:31Und wer sagt, dass das alles nicht von der Pharmaindustrie erfunden wurde? Großdruck? ScripTalk? QR-Codes? Das ist doch alles nur ein Trick, um mehr Geld aus den Krankenkassen zu ziehen. Die Apotheken kriegen mehr Geld für „barrierefreie“ Etiketten - und die Patienten kriegen ein neues Gerät, das sie nicht brauchen.
Ich hab’ mal bei meiner Mutter nachgesehen - die hat ihre Pillen seit 20 Jahren mit der Hand geschrieben. Kein Problem. Kein Chip. Kein Smartphone. Keine App. Sie hat eine Liste. Und sie hat eine Tochter, die ihr hilft.
Warum also alles digitalisieren? Warum nicht einfach die Familie einbinden? Das ist doch die natürliche Lösung. Und wenn es dann doch mal schiefgeht - na und? Die Krankenkasse zahlt ja eh alles.
Ich glaube, das ist nur eine große Marketingkampagne. Für die, die sich selbst als „progressiv“ fühlen. Aber die echten Probleme? Die bleiben ungelöst.
Leonie Illic
Dezember 17, 2025 AT 22:44Es ist bemerkenswert, wie sich die deutsche Gesellschaft in puncto Inklusion immer noch auf das Niveau der 90er Jahre verharrt. Während in den USA bereits 9.900 Apotheken mit ScripTalk ausgestattet sind, haben wir hier noch immer eine Kultur der Nachsicht - „na, die Oma fragt doch mal die Enkelin“. Das ist kein Inklusionsgedanke, das ist eine Verdrängungshaltung.
Die Einführung von Großdruck-Etiketten ist keine Innovation, sie ist ein Minimum. Und dass sie in Deutschland nicht verpflichtend ist, ist ein Zeichen dafür, dass wir Menschen mit Behinderung immer noch als „Problemfall“ betrachten - nicht als Bürger mit Rechten.
Die Tatsache, dass die Bundesapothekerkammer erst nach massivem Druck reagiert, zeigt, wie tief die strukturelle Ignoranz verwurzelt ist. Es ist nicht nur ein technisches Problem - es ist ein moralisches Versagen.
Und wer glaubt, dass QR-Codes oder Braille die Lösung sind: Das ist der letzte Atemzug der Wohlfühl-Illusion. Die Lösung ist einfach: 18-Punkt-Arial. Schwarz auf Weiß. Und zwar überall. Ohne Ausnahme. Ohne Diskussion. Ohne „wenn es geht“.
Sina Tonek
Dezember 19, 2025 AT 03:13Ich habe vor zwei Wochen in einer Apotheke in Berlin eine Großdruck-Etikett-Anfrage gestellt. Der Apotheker hat mir ein Formular gegeben, das ich ausfüllen sollte. Ich habe gefragt: „Warum muss ich das ausfüllen?“ Er hat gesagt: „Weil wir das dokumentieren müssen.“
Ich war sprachlos. Ich wollte kein Formular. Ich wollte eine Flasche mit lesbaren Etiketten.
Es ist absurd, dass man in einem Land, das sich als modern bezeichnet, noch immer bürokratische Hürden errichtet, um grundlegende Zugänglichkeit zu ermöglichen. Es ist nicht kompliziert. Es ist nicht teuer. Es ist nicht neu.
Man braucht nur den Willen. Und den haben wir nicht.
Caspar Commijs
Dezember 19, 2025 AT 03:34Ich hab’ mal in einer Apotheke in Hamburg nach ScripTalk gefragt. Der Apotheker hat gesagt: „Das ist eine amerikanische Lösung. Bei uns ist das nicht nötig.“
Ich hab’ ihn gefragt: „Und warum nicht?“
Er hat gesagt: „Weil wir keine blinden Kunden haben.“
Ich hab’ ihm gesagt: „Sie haben sie. Sie sehen sie nur nicht.“
Und dann hat er gelacht. Und ich hab’ die Apotheke verlassen.
Das ist das Problem. Nicht die Technik. Nicht die Kosten. Nicht die Schriftgröße. Das Problem ist die Haltung. Die Haltung, dass Menschen mit Behinderung nicht „normal“ sind. Dass sie „besonders“ behandelt werden müssen. Dass sie nicht einfach Teil der Gesellschaft sind.
Und solange das so bleibt, wird nichts besser.
Charlotte Ryngøye
Dezember 20, 2025 AT 14:20Ich finde es peinlich, dass wir uns in Deutschland so sehr auf amerikanische Lösungen verlassen. Großdruck? ScripTalk? QR-Codes? Das ist doch alles nichts, was wir nicht selbst entwickeln könnten. Wir haben doch die Technik. Wir haben doch die Forschung. Aber nein - wir warten, bis die Amerikaner es uns vormachen.
Und dann noch diese ganze Diskussion über „Menschenrechte“ - das ist doch nur eine Verharmlosung. Wir brauchen keine moralischen Reden. Wir brauchen klare Regeln. Und die müssen wir selbst machen - nicht importieren.
Ich will keine amerikanische Lösung. Ich will eine deutsche. Mit deutscher Präzision. Mit deutscher Effizienz. Und mit deutscher Autorität.
Und wenn das bedeutet, dass Apotheken verpflichtet werden, Großdruck zu verwenden - dann soll es so sein. Aber nicht, weil es „gut“ ist. Sondern weil es notwendig ist.
Erling Jensen
Dezember 21, 2025 AT 09:05Ich hab’ mal nachgefragt, ob ScripTalk in meiner Apotheke funktioniert. Der Apotheker hat gesagt: „Ja, aber nur mit Bluetooth 5.1 und Android 12.“
Ich hab’ meine Oma gefragt, ob sie das versteht. Sie hat gesagt: „Ich hab’ kein Smartphone.“
Und dann hab’ ich mir gedacht: Wer hat das erfunden? Wer hat beschlossen, dass Menschen mit Sehbehinderung auch noch technisch versiert sein müssen? Das ist doch kein Hilfsmittel - das ist ein Ausschluss.
Ich glaube, das ist alles nur ein Test. Ein Test, ob wir bereit sind, Menschen mit Behinderung zu diskriminieren - aber mit einer schönen Maske.
Und wenn das stimmt - dann ist das kein Fortschritt. Das ist ein Verbrechen.
Christer Nordvik
Dezember 22, 2025 AT 14:10Ich bin Norweger, aber ich lebe seit 10 Jahren in Deutschland. Und ich sag’ euch: In Norwegen ist das alles selbstverständlich. Jede Apotheke hat Großdruck. Jeder Apotheker weiß, wie man es macht. Kein Formular. Keine Diskussion. Kein Aufwand.
Und wisst ihr warum? Weil wir das als Normalität sehen. Nicht als „Hilfe“. Nicht als „Zusatz“. Sondern als Teil der Grundversorgung.
Ich hab’ meinen deutschen Kollegen mal gefragt: „Warum ist das bei euch so schwer?“
Er hat gesagt: „Weil wir uns nicht trauen, es einfach zu machen.“
Und das ist das wahre Problem. Nicht die Technik. Nicht die Kosten. Sondern die Angst, es einfach zu tun.
Heinz Zimmermann
Dezember 23, 2025 AT 23:58Ich hab’ gerade mit meiner Mutter gesprochen. Sie hat mir erzählt, dass sie vor drei Wochen in ihrer Apotheke nach Großdruck gefragt hat - und die Apothekerin hat gesagt: „Wir haben das nicht, aber ich kann es für Sie bestellen.“
Und dann hat sie es ihr am nächsten Tag gebracht - kostenlos. Ohne Formular. Ohne Diskussion.
Das ist der Unterschied. Nicht die Technik. Nicht die Gesetze. Sondern die Haltung.
Wenn man einfach fragt - und wenn jemand einfach antwortet - dann funktioniert es.
Es ist nicht schwer. Es ist nur eine Frage der Menschlichkeit.