Wenn deine Schulter schmerzt, besonders beim Heben des Arms oder nachts im Bett, dann bist du nicht allein. Jeder fünfte Mensch ab 50 kennt diese Schmerzen - und viele denken zuerst an eine einfache Verspannung. Doch hinter einem schmerzenden Schultergelenk stecken oft zwei eng verwandte Probleme: eine Rotator-Cuff-Verletzung oder eine Subakromiale Bursitis. Beide können sich gegenseitig verschlimmern, und beide lassen sich mit der richtigen Therapie meist ohne Operation behandeln.
Die Rotator-Cuff-Muskeln sind vier kleine Muskeln, die deinen Oberarmkopf stabil halten und ihn bei Bewegungen wie Werfen, Heben oder Schreiben am Schreibtisch kontrollieren. Sie heißen Supraspinatus, Infraspinatus, Teres minor und Subscapularis. Wenn einer dieser Muskeln oder seine Sehne gereizt, entzündet oder sogar gerissen ist, spricht man von einer Rotator-Cuff-Verletzung.
Diese Verletzungen kommen nicht plötzlich - sie wachsen langsam. Wer jeden Tag den Arm über den Kopf hebt, ob beim Malen, beim Tennis oder als Tischler, läuft Gefahr. Die Schmerzen beginnen oft als dumpfer, tiefer Schmerz, der sich bei Bewegungen zwischen 60° und 120° verstärkt. Das nennt man den „schmerzhaften Bogen“. Nachts wird es besonders unangenehm, wenn du auf der betroffenen Schulter liegst. Manche spüren auch Schwäche, wenn sie eine Tasse heben oder die Tür aufziehen wollen.
Direkt über der Rotator-Cuff-Sehne liegt eine kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Tasche - die Subakromiale Bursa. Ihre Aufgabe: Reibung zwischen Sehne und Knochen verhindern. Wenn diese Bursa entzündet ist, schwillt sie an, manchmal auf das Dreifache ihrer normalen Größe. Dann drückt sie auf die Sehnen, besonders wenn du den Arm hebst. Das führt zu ähnlichen Schmerzen wie bei einer Rotator-Cuff-Verletzung - oft ist es schwer zu unterscheiden, ob die Sehne oder die Bursa schuld ist. In 70 % der Fälle sind beide betroffen.
Ein Ultraschall zeigt die Entzündung: Eine Bursa über 2 mm Dicke gilt als abnormal. Eine MRT zeigt zusätzlich, ob die Sehne gerissen ist. Aber: Nur weil die Bursa entzündet ist, heißt das nicht, dass du operiert werden musst. In den meisten Fällen hilft konservative Therapie.
Ein Orthopäde prüft deine Schulter mit speziellen Bewegungstests. Wenn du beim Heben des Arms Schmerzen hast, besonders im „schmerzhaften Bogen“, und wenn du nachts wach wirst, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um Bursitis oder Tendinopathie handelt.
Bildgebung ist nicht immer nötig. Aber wenn die Schmerzen länger als 6 Wochen anhalten oder du plötzlich Schwäche spürst, wird ein Ultraschall oder MRT empfohlen. Ein Ultraschall ist schnell, schmerzfrei und zeigt die Bursa und Sehnen direkt. Eine MRT ist genauer, wenn man wissen will, ob eine Sehne gerissen ist - besonders bei Menschen über 60.
Wenn du merkst, dass deine Schulter schmerzt, ist der erste Schritt: Ruhe - aber nicht vollständige Immobilisierung. Zu viel Ruhe macht die Schulter steif. Zu viel Bewegung macht es schlimmer.
Die ersten 2-4 Wochen sind entscheidend:
Diese Maßnahmen helfen in 60 % der Fälle innerhalb von 3 Wochen. Wenn nicht, geht es weiter.
Wenn nach 4-6 Wochen keine Besserung kommt, wird oft eine Injektion empfohlen. Das ist kein „Schnellfix“, sondern ein Werkzeug, um die Entzündung so weit zu dämpfen, dass du die Übungen in der Physiotherapie ohne Schmerzen machen kannst.
Die Injektion enthält meist Kortison (Triamcinolon) und ein lokales Betäubungsmittel. Sie wird unter Ultraschallkontrolle direkt in den Raum zwischen Sehne und Knochen gespritzt - das ist wichtig. Nur so ist sie genau und sicher. Die Wirkung hält 4-12 Wochen an. In 65-75 % der Fälle führt das zu deutlicher Linderung.
Aber: Maximal 2-3 Injektionen pro Jahr. Mehr erhöht das Risiko einer Sehnenruptur um 8 %. Und: Injektionen allein heilen nicht. Sie geben dir nur die Chance, die echte Therapie zu beginnen: Physiotherapie.
Physiotherapie ist der wichtigste Teil der Behandlung - und sie funktioniert. 80 % der Menschen mit Rotator-Cuff-Tendinopathie oder Bursitis werden ohne Operation wieder gesund - wenn sie die Übungen konsequent machen.
Die Therapie läuft in drei Phasen:
Wichtig: Übe täglich. 20-30 Minuten pro Tag. Wer Übungen mit einer App plant und daran erinnert wird, macht 82 % der Übungen - wer ohne App übt, nur 54 %. Das macht einen Unterschied von 27 % bei der Genesungszeit.
Operieren sollte man nur, wenn alles andere gescheitert ist - und wenn es eine echte Sehnenruptur gibt. Eine arthroskopische Entlastung (Subakromiale Dekompression) wird oft angeboten: Der Chirurg entfernt die entzündete Bursa und glättet den Knochen am Schulterdach, damit die Sehne nicht mehr reibt.
Aber: Eine Studie aus dem Journal of Bone and Joint Surgery (2022) zeigte, dass Patienten mit reinem Bursitis-Schmerz - ohne Sehnenriss - nach 12 Monaten genauso gut sind wie vor der Operation. Die Operation bringt keinen Vorteil, wenn nur die Bursa betroffen ist.
Operationen sind teuer: 15.000-20.000 Euro. Physiotherapie kostet 1.500-3.000 Euro. Und die Komplikationsrate bei Operationen ist höher. Nur bei vollständigen Sehnenrissen bei Menschen über 60, oder bei jungen Sportlern mit hohen Anforderungen, lohnt sich die Operation.
Einige Dinge, die viele glauben, helfen - aber nicht:
2024 hat die FDA ein neues Ultraschall-Gerät zugelassen, das Injektionen präziser macht - von 72 % auf 94 % Genauigkeit. Das reduziert Komplikationen.
Ein neuer Ansatz ist PRP (Plättchenreiches Plasma): Blut wird abgenommen, die wachstumsfördernden Bestandteile konzentriert und in die Schulter gespritzt. Es ist eine Option, wenn Kortison nicht mehr hilft. Erfolgsrate: 68 % - besser als wiederholte Kortison-Injektionen.
Für ältere Patienten zeigt eine neue Studie: Blutflussbeschränktes Training (mit speziellen Bändern am Arm) verkürzt die Genesung um 30 %. Es ist schon jetzt in einigen Kliniken verfügbar.
Die meisten Menschen spüren nach 4-6 Wochen erste Verbesserungen. Nach 8-12 Wochen sind die meisten Schmerzen deutlich zurück. Vollständige Genesung - also wieder volle Kraft und Beweglichkeit - dauert 3-6 Monate. Wer konsequent übt, kommt schneller zurück. Wer aufgibt oder nur mal „wenn’s passt“ übt, bleibt länger schmerzhaft.
Ein 54-jähriger Tischler aus Ohio kehrte nach 14 Wochen Physiotherapie vollständig zur Arbeit zurück. Eine 37-jährige Tennisspielerin war nach 10 Wochen wieder im Wettkampf. Beide haben nicht gewartet - sie haben angefangen.
Wenn du nach 3-6 Monaten konsequenter Therapie immer noch starke Schmerzen hast, Schwäche spürst oder der Arm nicht mehr hochgeht, dann sprich mit deinem Arzt über eine erneute Bildgebung. Vielleicht liegt eine tiefe Sehnenruptur vor. Dann wird eine Operation ernsthaft erwogen.
Aber: Die meisten Fälle sind nicht so schlimm. Die meisten Schmerzen sind chronische Überlastung - und die heilt mit Geduld, Konsequenz und der richtigen Physiotherapie.
Ja - aber nur mit angepassten Übungen. Vermeide Bewegungen, die Schmerzen verursachen, besonders über den Kopf. Konzentriere dich auf Stabilitätsübungen mit Theraband, Pendelübungen und Schulterblatt-Training. Ein Physiotherapeut kann dir einen sicheren Trainingsplan erstellen. Wer weiterhin schwere Lasten hebt oder Tennis spielt, riskiert eine Verschlimmerung.
Eine vollständige Sehnenruptur zeigt sich durch plötzliche Schwäche: Du kannst den Arm nicht mehr selbst heben - du brauchst Hilfe von der anderen Hand. Der Schmerz kann auch nachlassen, weil die Sehne nicht mehr spannt. Ein Ultraschall oder MRT ist nötig, um das sicher zu diagnostizieren. Bei Menschen über 60 ist eine Ruptur häufiger - besonders nach einem Sturz oder plötzlichem Heben.
Nachts sinkt die Körpertemperatur, und die Entzündungsstoffe sammeln sich. Außerdem liegst du oft auf der schmerzenden Seite, was den Druck erhöht. Die Bursa ist entzündet und geschwollen - sie drückt auf die Sehnen, wenn du dich bewegst, auch nur leicht. Das ist der Grund, warum 78 % der Betroffenen nachts wach werden. Ein Kissen unter dem Arm verhindert das Drücken und hilft oft schon.
Wenn sie richtig angewendet wird - nein. Maximal 2-3 Spritzen pro Jahr, mit mindestens 3 Monaten Abstand, sind sicher. Die Gefahr liegt in zu häufiger Anwendung: Jede weitere Spritze erhöht das Risiko einer Sehnenruptur um 8 %. Sie ist kein Dauerlösung, sondern ein Sprungbrett, um Physiotherapie zu ermöglichen. Wer sie als „Schmerzkiller“ missbraucht, gefährdet seine Schulter.
Das hängt vom Sport ab. Für leichtes Schwimmen oder Gehen: nach 6-8 Wochen. Für Tennis, Basketball oder Gewichtheben: mindestens 4-6 Monate. Wichtig ist nicht nur die Zeit, sondern die Kraft. Du solltest deine Schulter mit 70-80 % der Kraft der gesunden Seite bewegen können, bevor du wieder intensiv trainierst. Ein Physiotherapeut testet das mit speziellen Kraftmessungen.
Deine Schulter ist ein komplexes Gelenk - und sie braucht Zeit. Aber sie kann sich heilen. Die meisten Menschen, die heute Schmerzen haben, werden in 3-6 Monaten wieder schmerzfrei sein - wenn sie die richtigen Schritte machen. Nicht die teuerste Therapie, nicht die neueste Injektion, sondern konsequente, tägliche Übungen und Geduld. Das ist die wirkliche Heilung.
luis stuyxavi
Januar 28, 2026 AT 06:56Ich hab das alles gelesen, und ich muss sagen: Das ist so typisch medizinisch, dass es fast schon parodisch ist. 😅 Du erzählst mir, ich soll 20 Minuten täglich üben, aber du vergisst zu erwähnen, dass ich als Single-Parent mit zwei Kindern und einem Vollzeitjob nicht mal 20 SEKUNDEN am Tag für mich habe. Und dann kommt noch die App-Empfehlung? Ich hab nicht mal Zeit, meinen Kaffee auszutrinken, ohne dass einer schreit, dass der andere den Fernseher zu laut hat. Physiotherapie? Ich hab noch nicht mal Zeit, meine Schuhe zu schnüren, ohne dass ich mich verletze. 😅
Yassine Himma
Januar 28, 2026 AT 15:53Interessant, wie hier alles auf Physiotherapie reduziert wird, als wäre sie die einzige Wahrheit. Aber was ist mit der Neuroplastizität? Mit der psychosomatischen Komponente? Wer sagt, dass der Schmerz nicht auch aus emotionaler Blockade kommt? Ich hab mal einen Mann kennengelernt, der nach 18 Monaten Schulterpain plötzlich schmerzfrei war – nachdem er seine Ehe verlassen hatte. Die Schulter war nicht das Problem. Die Lebenssituation war’s. Wir behandeln Symptome, nicht Ursachen. Und dann wundern wir uns, warum die Rückfallquote so hoch ist. 🤔
Frank Boone
Januar 29, 2026 AT 21:33Also, ich hab das jetzt drei Mal gelesen, und ich bin immer noch nicht sicher, ob das ein medizinischer Leitfaden oder ein Werbevideo für eine Physio-App ist. 😏 Aber hey, wenn ich 82 % der Übungen mache, weil ich eine App nutze, und du nur 54 %, weil du ‘einfach vergisst’ – dann ist das doch nur ein Problem der Willenskraft, oder? Kein Wunder, dass die Leute sich wundern, warum sie immer noch schmerzen. Vielleicht sollte man statt Übungen einfach eine App kaufen, die einen an den Schmerz erinnert. 🤷♂️
zana SOUZA
Januar 30, 2026 AT 20:59Ich hab vor zwei Jahren genau das durchgemacht – und ich muss sagen: Die Phase 2 mit den Schulterblatt-Übungen war das Einzige, was wirklich geholfen hat. Ich dachte, ich müsste die Rotator-Cuff-Muskeln stärken, aber nein – es war die Stabilität des Schultergürtels, die fehlte. Ich hab’s mit Theraband gemacht, jeden Tag, 15 Minuten, ohne Ausrede. Und ja, es war langweilig. Aber es hat funktioniert. Ich kann jetzt wieder meine Koffer tragen. Ohne Schmerz. 🌿
Max Veprinsky
Februar 1, 2026 AT 07:06Die Aussage, dass '80 % ohne Operation genesen', ist irreführend. Welche Studie? Welche Definition von 'genesen'? Ist das 'kein Schmerz mehr bei Ruhe' oder 'wieder 100 % Kraft bei Überkopfbewegung'? Und warum wird nicht erwähnt, dass die Studien, die diese Zahlen liefern, meist von Physiotherapeuten oder Kliniken finanziert wurden? Außerdem: 65–75 % Wirkung bei Kortison? Das ist nicht 'wirksam', das ist 'temporär'. Und dann wird noch PRP als 'neu' bezeichnet – obwohl es seit 2012 in Deutschland in Kliniken eingesetzt wird? Das ist keine Innovation. Das ist Marketing. 🧐
Jens Lohmann
Februar 2, 2026 AT 22:04Hört zu – ich war auch mal in eurer Lage. Schmerzen, keine Kraft, kein Schlaf. Ich hab alles versucht – Medikamente, Massagen, sogar Akupunktur. Nichts hat geholfen. Dann hab ich einfach angefangen. Jeden Morgen, 20 Minuten, egal wie müde ich war. Pendelübungen. Dann Band. Dann leichtes Gewicht. Keine Eile. Kein Perfektionismus. Ich hab mich nicht mit anderen verglichen. Ich hab nur gemacht. Und nach 14 Wochen? Ich hab wieder Tennis gespielt. Nicht perfekt. Aber ohne Schmerz. Ihr könnt das auch. Einfach anfangen. Nicht morgen. Heute. Jetzt. 💪