Leukotriening-Hemmer: Montelukast bei allergischen Atemwegserkrankungen

Leukotriening-Hemmer: Montelukast bei allergischen Atemwegserkrankungen
Henriette Vogelsang 11 Januar 2026 0 Kommentare

Montelukast ist kein schneller Retter wie ein Inhalator bei akutem Asthma - aber für viele Menschen mit allergischen Atemwegserkrankungen ist es der stille Helfer, der nachts den Atem erleichtert und den Tag ohne Niesanfälle übersteht. Es ist kein Steroid, kein Antihistaminikum, aber es greift direkt in einen Mechanismus ein, den viele Ärzte unterschätzen: die Wirkung von Leukotrienen. Diese körpereigenen Botenstoffe sorgen bei Allergien dafür, dass die Atemwege sich verengen, Schleim produziert wird und Entzündungen entstehen. Montelukast blockiert genau diesen Prozess - und das mit nur einer Tablette am Tag.

Wie funktioniert Montelukast wirklich?

Montelukast gehört zur Gruppe der Leukotriening-Rezeptorantagonisten. Es bindet sich an den CysLT1-Rezeptor, den Hauptempfänger für Leukotriene wie LTD4 und LTE4. Diese Stoffe werden bei allergischen Reaktionen von weißen Blutkörperchen freigesetzt - besonders in Nase und Lunge. Sie ziehen Entzündungszellen an, verengen die Bronchien, lassen das Gewebe anschwellen und sorgen für einen dicken, klebrigen Schleim. Statt diese Wirkung zu bekämpfen, wie es Antihistaminika tun, blockiert Montelukast die Signale von vornherein. Es ist wie ein Schlüssel, der in das Schloss passt, aber nicht dreht - das Tor bleibt verschlossen.

Das Besondere: Montelukast wirkt selektiv. Es greift nicht in andere Systeme ein, wie zum Beispiel die Cholinergen oder Beta-Adrenorezeptoren. Das macht es verträglicher als viele andere Medikamente. Eine Studie mit 12 Asthmatikern zeigte, dass es die frühe und späte Bronchokonstriktion nach Allergenexposition um 75 % bzw. 57 % reduziert. Das ist kein Zufall - es ist eine gezielte Wirkung auf den Entzündungsweg, der bei allergischem Asthma und allergischer Rhinitis besonders stark aktiviert ist.

Wann wird Montelukast verschrieben?

Montelukast ist offiziell zugelassen für die prophylaktische und langfristige Behandlung von Asthma ab dem Alter von zwei Jahren und für die Linderung von saisonalen und ganzjährigen allergischen Rhinitissymptomen. Aber hier liegt der Haken: Es ist kein Erstlinientherapeut. In fast allen Leitlinien - von GINA bis zur Europäischen Gesellschaft für Pneumologie - steht klar: Bei Asthma ist die inhalative Kortikosteroid-Therapie (ICS) die erste Wahl. Bei allergischer Rhinitis sind Antihistaminika oder Nasensprays mit Kortikosteroiden die Standardtherapie.

Montelukast kommt ins Spiel, wenn diese Standardtherapien nicht funktionieren, nicht vertragen werden oder nicht eingenommen werden können. Das ist besonders wichtig bei Kindern unter fünf Jahren. Viele Kleinkinder können den Inhalator nicht richtig benutzen - die Technik ist zu komplex, die Koordination fehlt. Da ist eine Tablette oder ein Granulat, das man mit Apfelmus mischen kann, eine echte Hilfe. Eine Studie des CDC zeigte, dass 28 % der Kinder mit leichtem persistierendem Asthma Montelukast als erste Kontrolltherapie erhalten - meist, weil die Eltern die Inhalation ablehnen oder scheitern.

Auch bei Menschen mit gleichzeitigem Asthma und allergischer Rhinitis ist Montelukast besonders nützlich. Die meisten Medikamente wirken entweder in der Nase oder in der Lunge - Montelukast wirkt in beiden. Ein Patient, der unter Niesanfällen und nächtlichem Husten leidet, kann mit einer einzigen Tablette beide Probleme angehen.

Wie schnell wirkt Montelukast?

Es ist kein schnelles Medikament. Die Wirkung setzt nicht wie bei einem Antihistaminikum innerhalb von 30 Minuten ein. Die ersten Verbesserungen zeigen sich nach 24 bis 48 Stunden, aber die volle Wirkung braucht bis zu einer Woche. Viele Patienten sind enttäuscht, wenn sie nach dem ersten Tag noch genauso schlecht atmen wie zuvor. Sie hören auf, das Medikament einzunehmen - und verpassen die echte Wirkung.

Es ist wichtig, dass Ärzte das klar sagen: Montelukast ist kein Notfallmedikament. Es hilft nicht bei akuten Anfällen. Wer plötzlich keucht, braucht einen Salbutamol-Inhalator - nicht eine Tablette. Die meisten Patienten, die Montelukast einnehmen, nehmen auch einen Rescue-Inhalator mit - und das ist richtig so. Montelukast reduziert den Bedarf an diesen Notfallmedikamenten. Eine Studie zeigte, dass Asthmatiker, die Montelukast einnahmen, ihre Salbutamol-Nutzung um 30 % reduzieren konnten. Das ist kein kleiner Erfolg - das bedeutet weniger Notfälle, weniger Krankenhausaufenthalte, mehr Lebensqualität.

Ein Teenager hält eine Tablette, während ein geisterhafter Krieger Entzündungsmonstern die Atemwege schützt.

Was sagen Patienten?

Die Erfahrungen sind gemischt. Auf WebMD und Drugs.com berichten viele Eltern, dass ihre Kinder nach der Einnahme von Montelukast deutlich weniger nachts husten, weniger Atemnot haben und seltener den Inhalator brauchen. Eine Mutter schrieb: „Mein 6-Jähriges braucht jetzt nur noch einmal pro Woche den Inhalator - vorher war es täglich.“ Das ist der klassische Erfolg: weniger Symptome, weniger Medikamente, mehr Schlaf.

Aber es gibt auch viele, die enttäuscht sind. „Ich dachte, es würde meine Nase genauso befreien wie Zyrtec“, schrieb eine 32-jährige Frau. „Es half etwas, aber nicht genug.“ Das ist typisch. Montelukast ist kein Antihistaminikum. Es hilft bei verstopfter Nase und Niesanfällen, aber weniger stark als ein modernes Antihistaminikum. Es ist ein zweiter Schritt, kein erster.

Eine andere häufige Beschwerde: seltsame Träume oder Schlafstörungen. Etwa 38 % der negativen Bewertungen erwähnen das. Die FDA hat 2020 eine Warnung herausgegeben, weil es Berichte über Angstzustände, Depressionen, Aggressionen und Suizidgedanken gab. Die Häufigkeit ist niedrig - aber sie existiert. Ärzte sollten das bei der Verschreibung ansprechen, besonders bei Jugendlichen und Erwachsenen mit psychischen Vorerkrankungen.

Montelukast vs. andere Medikamente

Es gibt noch zwei andere Leukotriening-Hemmer: Zafirlukast und Zileuton. Zafirlukast muss zweimal täglich eingenommen werden - das macht es weniger praktisch. Zileuton hemmt die Bildung von Leukotrienen - aber es belastet die Leber und muss regelmäßig überwacht werden. Montelukast hat den Vorteil: einmal täglich, keine Blutkontrollen, kaum Wechselwirkungen.

Im Vergleich zu inhalativen Kortikosteroiden ist Montelukast weniger wirksam - aber auch weniger belastend. Kortikosteroide können Mundsoor, Heiserkeit oder langfristig Knochenabbau verursachen. Montelukast hat diese Nebenwirkungen nicht. Das macht es für Langzeittherapien attraktiv, besonders bei Kindern, bei denen man Steroide möglichst vermeiden will.

Bei allergischer Rhinitis ist der Abstand zur ersten Linie groß: Antihistaminika wie Cetirizin oder Loratadin wirken schneller und stärker bei Niesen, Juckreiz und laufender Nase. Montelukast ist hier eher ein Zusatz - besonders wenn die Nase verstopft ist und andere Medikamente nicht helfen.

Eine Familie mischt Montelukast-Granulat in Apfelmus, während unsichtbare Entzündungen verschwinden.

Wie wird es eingenommen?

Montelukast gibt es als Tablette (10 mg für Erwachsene), als kautablette (4 mg und 5 mg für Kinder) und als Granulat (4 mg für Kleinkinder). Das Granulat kann man mit kaltem Apfelmus, Joghurt oder Milch mischen - aber nicht mit heißer Flüssigkeit. Die Tablette nimmt man abends ein - nicht weil sie besser wirkt, sondern weil die Leukotriene in der Nacht besonders aktiv sind. Viele Patienten berichten, dass sie nachts besser schlafen, wenn sie es abends nehmen.

Wichtig: Es muss täglich eingenommen werden. Selbst wenn man sich gut fühlt. Es ist kein Medikament, das man nur bei Symptomen nimmt. Die Wirkung baut sich auf - und verschwindet, wenn man aufhört.

Wie teuer ist Montelukast?

Seit der Patentablauf 2012 ist Montelukast ein klassisches Generikum. In Deutschland kostet eine Packung mit 30 Tabletten zwischen 4 und 10 Euro. In den USA liegt der Preis bei 4-10 US-Dollar pro Monat. Das macht es zu einem der günstigsten Langzeitmedikamente bei Asthma und Allergien. Im Vergleich zu Biologika, die mehrere Hundert Euro pro Monat kosten, ist Montelukast ein preiswerter Begleiter.

Was kommt als Nächstes?

Die Zukunft der Asthmatherapie liegt in Biologika - Medikamente, die gezielt einzelne Entzündungszellen oder Botenstoffe blockieren. Sie sind effektiv - aber teuer, und nur für schwere Fälle zugelassen. Montelukast wird diese nicht ersetzen. Aber es wird nicht verschwinden. Es bleibt ein Werkzeug für Menschen, die keine Inhalatoren mögen, für Kinder, für Menschen mit begrenztem Einkommen, für diejenigen, die gleichzeitig Asthma und allergische Rhinitis haben.

Es ist kein Wundermittel. Aber es ist ein zuverlässiges, einfaches, günstiges und gut verträgliches Medikament - wenn man es richtig einsetzt. Wer es als Ergänzung nimmt, nicht als Ersatz, und wer es regelmäßig einnimmt, wird oft überrascht sein, wie viel besser der Alltag werden kann.

Ist Montelukast ein Steroid?

Nein, Montelukast ist kein Steroid. Es gehört zur Gruppe der Leukotriening-Rezeptorantagonisten und wirkt, indem es die Wirkung von körpereigenen Entzündungsbotenstoffen (Leukotrienen) blockiert. Steroide wie Fluticason dagegen unterdrücken die gesamte Entzündungsreaktion im Körper. Montelukast ist gezielter und hat keine der typischen Nebenwirkungen von Kortikosteroiden wie Mundsoor, Gewichtszunahme oder Knochenabbau.

Kann ich Montelukast statt meines Inhalators nehmen?

Nein, Montelukast ist kein Notfallmedikament und hilft nicht bei akuten Asthmaanfällen. Es dient nur der langfristigen Kontrolle der Entzündung. Wer plötzlich keucht, braucht einen schnellen Wirkstoff wie Salbutamol - einen sogenannten Rescue-Inhalator. Montelukast reduziert zwar den Bedarf an solchen Medikamenten, aber es kann sie nicht ersetzen.

Warum hilft Montelukast bei allergischer Rhinitis?

Bei allergischer Rhinitis werden Leukotriene in der Nasenschleimhaut freigesetzt - sie verursachen Verstopfung, Schwellung und vermehrte Sekretbildung. Montelukast blockiert diese Wirkung. Es ist nicht so stark wie ein Antihistaminikum bei Niesen oder Juckreiz, aber besonders wirksam bei verstopfter Nase. Deshalb wird es oft als Zusatztherapie verschrieben, wenn Nasensprays allein nicht ausreichen.

Hat Montelukast Nebenwirkungen?

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Husten. Bei einigen Menschen treten Schlafstörungen, ungewöhnliche Träume oder Stimmungsschwankungen auf. Die FDA warnt seit 2020 vor seltenen, aber schwerwiegenden psychischen Nebenwirkungen wie Angst, Depression oder Suizidgedanken. Diese sind selten, aber wichtig - besonders bei Jugendlichen und Erwachsenen mit psychischer Vorgeschichte. Wenn sich das Verhalten plötzlich ändert, sollte man den Arzt kontaktieren.

Wann sollte man Montelukast nicht einnehmen?

Montelukast sollte nicht eingenommen werden, wenn man allergisch gegen einen der Inhaltsstoffe ist. Bei schweren Lebererkrankungen sollte es mit Vorsicht verwendet werden. Es ist auch nicht für die Behandlung von akuten Asthmaanfällen geeignet. Wer bereits ein Biologikum einnimmt oder schwere Asthmaformen hat, sollte Montelukast nicht als alleinige Therapie verwenden - es ist kein Ersatz für hochwirksame Medikamente bei schwerer Erkrankung.