Wenn Sie als älterer Mensch mehrere Medikamente einnehmen, ist es wahrscheinlich, dass einige davon heute mehr schaden als helfen. Viele Menschen nehmen Pillen, die vor Jahren sinnvoll waren, aber heute ihre Balance stören, das Gedächtnis trüben oder das Risiko für Stürze erhöhen. Doch nur wenige Ärzte beginnen das Gespräch über das Absetzen von Medikamenten - Deprescribing -, obwohl es eine der sichersten Wege ist, die Lebensqualität zu verbessern. Die gute Nachricht: Sie müssen nicht darauf warten, dass Ihr Arzt das Thema anspricht. Sie können es selbst initiieren - und zwar mit der richtigen Vorbereitung und Sprache.
Warum Deprescribing wichtig ist
Deprescribing bedeutet nicht, Medikamente einfach abzusetzen. Es bedeutet, gezielt und sicher Medikamente abzubauen, wenn ihre Vorteile nicht mehr ihren Risiken entsprechen. Das passiert oft bei älteren Menschen, die fünf oder mehr Medikamente einnehmen. Studien zeigen: Etwa 15 % dieser Menschen erleiden Nebenwirkungen, die zu Stürzen, Verwirrtheit oder Krankenhausaufenthalten führen. Einige Medikamente, wie Schlafmittel, Antidepressiva oder Blutdrucksenker, wirken bei jüngeren Menschen gut, aber bei Senioren mit verlangsamter Leber- oder Nierenfunktion können sie überdosiert wirken - selbst bei Standarddosen.
Ein Beispiel: Sie nehmen drei Blutdruckmedikamente, aber Ihr Blutdruck liegt konstant bei 90/60 - zu niedrig. Trotzdem wird Ihnen jedes Jahr ein neues Rezept ausgestellt. Sie fühlen sich schwindelig, fallen fast, können nicht mehr im Garten arbeiten. Das ist kein Einzelfall. In Deutschland nehmen über 60 % der Menschen über 70 fünf oder mehr Medikamente ein. Viele davon könnten reduziert werden - wenn das Gespräch geführt wird.
Was Sie vor dem Termin tun sollten
Ein unvorbereitetes Gespräch führt oft zu Ablehnung. Die meisten Ärzte haben nur 10-15 Minuten pro Patient. Wenn Sie nicht klar sind, wird das Thema verschoben - oder ignoriert. Hier ist, was Sie vorher tun müssen:
- Erstellen Sie eine vollständige Liste aller Medikamente. Dazu gehören Rezeptmedikamente, rezeptfreie Mittel (z. B. Schmerztabletten, Magenmittel), Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate. Viele Patienten vergessen, dass auch Baldrian oder Melisse mit anderen Medikamenten interagieren können.
- Notieren Sie konkrete Nebenwirkungen. Nicht nur „ich fühle mich schlecht“. Schreiben Sie: „Nach der Morgendosis von X fühle ich mich schwindelig, habe drei Mal in der letzten Woche fast gestürzt.“ Oder: „Ich schlafe 10 Stunden, bin aber tagsüber total müde.“
- Identifizieren Sie 1-2 Medikamente, die Sie gern reduzieren würden. Nutzen Sie vertrauenswürdige Quellen wie die Beers-Kriterien oder STOPP/START-Richtlinien. Diese listen Medikamente auf, die bei Senioren oft unangemessen sind - etwa Benzodiazepine für Schlafstörungen oder bestimmte Anticholinergika, die das Gedächtnis beeinträchtigen.
- Formulieren Sie Ihr persönliches Ziel. Es geht nicht um „weniger Pillen“. Es geht um Ihr Leben: „Ich will wieder ohne Hilfe die Treppe gehen.“ „Ich will mit meinem Enkelkind im Park spielen, ohne schwindelig zu werden.“ „Ich will morgens klar denken, um meinen Briefkasten zu leeren.“
- Bitten Sie um extra Zeit. Sagen Sie bei der Terminvereinbarung: „Ich möchte eine ausführliche Medikamentenüberprüfung besprechen.“ Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Arzt 20 statt 10 Minuten einplant - um 42 %, wie Studien zeigen.
Wie Sie das Gespräch führen - mit der richtigen Sprache
Die meisten Patienten sagen: „Ich möchte weniger Medikamente nehmen.“ Das klingt nach Bequemlichkeit. Ärzte hören das oft und denken: „Kein medizinischer Grund.“
Stattdessen nutzen Sie diese Formulierungen, die in Studien mit über 80 % Zustimmung der Patienten abgeschnitten haben:
- „Ich habe gelesen, dass manche Medikamente bei älteren Menschen mehr schaden als helfen. Ich würde gern besprechen, ob eines davon bei mir auch so sein könnte.“
- „Ich möchte meine Medikamente so anpassen, dass ich meine täglichen Aktivitäten weiterhin machen kann - wie Gärtnern oder mit dem Hund spazieren gehen. Welche Pillen könnten das behindern?“
- „Ich habe seit Monaten Schwindel nach der Morgendosis. Ich frage mich, ob das mit einem der Medikamente zusammenhängt.“
Vermeiden Sie:
- „Ich will nur weniger Pillen.“
- „Es kostet zu viel.“
- „Ich habe keine Lust mehr, das zu nehmen.“
Warum? Studien zeigen: 78 % der Patienten reagieren am positivsten auf die Aussage, dass ein Medikament schadet - nicht, dass es teuer ist oder dass sie nicht mehr lange leben. Sagen Sie konkret: „Einige Ihrer Medikamente könnten Ihr Gleichgewicht stören und das Risiko für Stürze erhöhen. Das ist das Letzte, was ich will.“
Die „Fragen-Sagen-Fragen“-Methode
Diese Technik aus der Motivational Interviewing-Forschung funktioniert hervorragend in Arztpraxen:
- Fragen: „Was denken Sie, wie gut meine aktuellen Medikamente für meine Ziele funktionieren?“
- Sagen: „Ich habe bemerkt, dass ich seit drei Monaten nach der Morgendosis schwindelig bin. Ich habe recherchiert und gelesen, dass das bei einigen Blutdruckmitteln vorkommt. Ich würde gern prüfen, ob wir eines davon reduzieren könnten - ohne dass ich mich unsicher fühle.“
- Fragen: „Was wäre der sicherste Weg, das zu testen? Könnten wir die Dosis langsam senken und in vier Wochen wieder schauen?“
Diese Methode macht Sie nicht zum „schwierigen Patienten“. Sie machen Sie zum mitwirkenden Partner. Ärzte berichten, dass 92 % der Deprescribing-Versuche erfolgreich sind, wenn Patienten das Gespräch selbst initiieren - vorausgesetzt, sie sind gut vorbereitet.
Was Sie über die Schritt-für-Schritt-Reduktion wissen müssen
Deprescribing ist kein Knopfdruck. Es ist ein langsamer Prozess. 86 % der erfolgreichen Fälle erfolgen über Monate, nicht Tage. Der Arzt wird nicht einfach sagen: „Stellen Sie das ab.“
Er wird wahrscheinlich vorschlagen:
- Eine Dosis um 25 % reduzieren
- Ein Medikament nur noch alle zwei Tage einnehmen
- Eine „Medikamentenpause“ von einer Woche einlegen, um zu sehen, ob sich die Symptome bessern
Das ist normal. Fragen Sie: „Wie wissen wir, ob es funktioniert?“ und „Was passiert, wenn die Beschwerden zurückkommen?“
Bringen Sie ein kleines Protokoll mit: „Ich werde jeden Tag notieren, ob ich schwindelig bin, ob ich besser schlafe, ob ich mehr Energie habe.“ Das gibt Ihrem Arzt konkrete Daten - und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass er zustimmt, um 33 %.
Was tun, wenn der Arzt ablehnt?
Manchmal sagen Ärzte: „Das ist nicht medizinisch indiziert.“ Oder: „Wenn Sie das absetzen, könnte Ihr Blutdruck wieder steigen.“
Wenn das passiert, antworten Sie nicht mit Widerspruch - sondern mit Nachfrage:
- „Könnten wir es trotzdem probieren - langsam, mit Kontrollen?“
- „Was wäre der kleinste Schritt, den wir versuchen könnten?“
- „Könnten Sie mir eine zweite Meinung empfehlen?“
Einige Ärzte sind nicht ausreichend geschult. Laut einer Umfrage der AAFP fühlen sich nur 22 % der Hausärzte sicher, Deprescribing zu beraten. Sie sind nicht der Feind - sie brauchen Unterstützung. Bringen Sie eine gedruckte Zusammenfassung der Canadian Deprescribing Guidelines mit - sie sind in deutscher Sprache verfügbar und enthalten klare Empfehlungen für Medikamentenklassen wie Schlafmittel, Antidepressiva oder Antihypertensiva.
Was passiert danach?
Wenn ein Medikament abgesetzt wird, ist die erste Woche oft kritisch. Ihr Körper muss sich anpassen. Mögliche Symptome: Schlafstörungen, Nervosität, Kopfschmerzen - aber auch: mehr Energie, klarerer Kopf, weniger Schwindel.
Planen Sie einen Kontrolltermin nach 2-4 Wochen ein. Sagen Sie: „Ich möchte in vier Wochen wieder kommen, um zu sehen, wie es mir geht.“
Manche Ärzte bieten auch Telefongespräche oder Online-Check-ins an - fragen Sie danach. Die meisten Patienten berichten nach drei Monaten: „Ich fühle mich wie neu.“
Warum das wichtig ist - für Sie und andere
Deprescribing ist nicht nur eine medizinische Maßnahme. Es ist ein Akt der Selbstbestimmung. Es bedeutet, dass Sie entscheiden, wie Ihr Leben aussehen soll - nicht die Pillen, die Sie einnehmen. In den USA hat die CDC 2023 die Kampagne „Right Size My Meds“ gestartet. In Deutschland gibt es ähnliche Initiativen - aber sie erreichen viele nicht.
Wenn Sie dieses Gespräch führen, tun Sie nicht nur etwas für sich. Sie zeigen anderen, dass es möglich ist. Dass Ärzte nicht alles wissen - und dass Patienten nicht nur passiv sein müssen.
Die Zukunft der Medizin ist nicht mehr: „Nehmen Sie das.“ Sondern: „Was brauchen Sie, um gut zu leben?“
Kann ich Medikamente einfach absetzen, wenn ich sie nicht mehr brauche?
Nein. Einige Medikamente, wie Antidepressiva, Blutdruckmittel oder Steroide, dürfen nicht abrupt abgesetzt werden - das kann zu gefährlichen Entzugserscheinungen führen. Deprescribing bedeutet immer eine schrittweise Reduktion unter ärztlicher Aufsicht. Selbst wenn Sie denken, ein Medikament sei überflüssig: Lassen Sie es nicht ohne Rücksprache stehen.
Welche Medikamente werden am häufigsten überflüssig?
Häufige Kandidaten sind: Benzodiazepine (Schlafmittel wie Diazepam), Anticholinergika (z. B. einige Blasenmittel oder Antihistaminika), Protonenpumpenhemmer (Magensäureblocker, oft über Jahre eingenommen), bestimmte Blutdruckmittel bei niedrigem Blutdruck, und Statine bei sehr hohem Alter mit geringem Herz-Kreislauf-Risiko. Die Beers-Kriterien listen diese Medikamente genau auf.
Was mache ich, wenn ich Angst habe, dass sich meine Krankheit verschlechtert?
Das ist eine sehr häufige Angst - und völlig verständlich. Fragen Sie Ihren Arzt: „Was passiert, wenn das Medikament abgesetzt wird? Wie erkennen wir, ob es notwendig ist?“ Ein guter Arzt wird einen Monitorplan vorschlagen: z. B. Blutdruck messen, Blutwerte prüfen, Symptome protokollieren. Die meisten Medikamente, die abgesetzt werden, haben keinen Einfluss auf die Lebenserwartung - sie beeinträchtigen nur die Lebensqualität.
Kann ich Deprescribing auch mit meinem Apotheker besprechen?
Ja - und das sollten Sie. Apotheker haben oft mehr Zeit als Ärzte und sehen Ihre gesamte Medikation. Sie können Ihnen helfen, eine vollständige Liste zu erstellen, Wechselwirkungen aufzudecken und Ihnen erklären, warum ein Medikament möglicherweise überflüssig ist. Sie können auch eine schriftliche Zusammenfassung für Ihren Arzt erstellen. Viele Apotheken in Deutschland bieten mittlerweile Medikationsanalysen an - fragen Sie danach.
Wie oft sollte ich eine Medikamentenüberprüfung machen lassen?
Mindestens einmal jährlich - besonders wenn Sie fünf oder mehr Medikamente einnehmen. Seit 2024 ist eine Medikationsüberprüfung Teil des gesetzlich vorgeschriebenen Gesundheits-Check-ups für Medicare-Berechtigte in den USA. In Deutschland wird das zwar nicht verpflichtend, aber immer häufiger empfohlen. Wenn Sie Änderungen in Ihrer Gesundheit haben - z. B. nach einem Krankenhausaufenthalt oder einem Sturz - sollten Sie sofort eine Überprüfung anfragen.
Ronny Heggelund
November 18, 2025 AT 11:18Ich hab das letzte Jahr meinen Opa begleitet, der 12 Pillen am Tag genommen hat – und nein, das war kein Scherz. Einmal hat er nach der Einnahme von Citalopram und einem Schmerzmittel einfach auf dem Boden gesessen und gefragt, warum er sich wie ein Roboter fühlt. Der Arzt hat gesagt: „Das ist normal im Alter.“ Normal? Nein. Das ist medizinischer Negligenz. Deprescribing ist kein Luxus, es ist eine Notwendigkeit. Ich hab ihm die Beers-Kriterien ausgedruckt, ihm vorgelesen – und innerhalb von 6 Wochen waren es 4 Pillen weniger. Kein Sturz mehr. Kein dauerhafter Schwindel. Er hat wieder Gärtnern können. Und das, ohne dass er irgendein neues Medikament kriegen musste. Warum ist das nicht Standard?
Rune Johansen
November 18, 2025 AT 21:14Wow, endlich mal jemand, der nicht nur „Deprescribing“ sagt, sondern auch versteht, dass das ein Systemproblem ist. Die Pharmaindustrie hat uns alle in eine Pillen-Kultur hineingezogen – und Ärzte sind zu überlastet, um das zu hinterfragen. Ich hab neulich meinen Hausarzt gefragt, warum mein Opa noch ein Protonenpumpenhemmer nimmt, obwohl er seit 8 Jahren keine Sodbrennen-Symptome mehr hat. Antwort: „Na ja, wir haben es ja schon verschrieben…“ Genau. Das ist kein medizinischer Entscheid, das ist eine Routine. Wir brauchen eine Kultur, die fragt – nicht nur nimmt.
Kristin Frese
November 20, 2025 AT 11:29Ich hab das Gefühl, dass wir alle Angst haben, den Arzt zu enttäuschen. Ich hab vor 3 Monaten meinen Blutdruckmedikamenten abgesetzt – ohne ihn zu fragen. Nur weil ich mich so elend gefühlt hab. Und dann kam der Anruf: „Sie haben sich das Medikament abgesetzt?“ Ich hab mich geschämt. Warum muss es so schwer sein, sich selbst zu hören? Ich hab nur gewollt, dass meine Hände nicht mehr zittern. Nicht mehr nur eine Zahl auf einem Blatt sein.
Dag Melillo
November 22, 2025 AT 07:32Was hier wirklich passiert ist, ist eine Verlagerung der Verantwortung – von der medizinischen Institution auf den Patienten. Und das ist gut. Aber nur, wenn der Patient die Werkzeuge hat. Die meisten älteren Menschen haben nicht die Bildung, nicht die Zeit, nicht die Sprache, um die Beers-Kriterien zu lesen oder STOPP/START zu verstehen. Deprescribing ist nicht nur eine medizinische Praxis, es ist eine soziale Gerechtigkeitsfrage. Wer hat Zugang zu Informationen? Wer kann sich 20 Minuten Zeit beim Arzt holen? Wer kann sich trauen, zu sagen: „Ich fühle mich schlecht, und ich glaube, es liegt an Ihren Pillen?“ Die Antwort ist: Nicht alle. Und das ist das eigentliche Problem. Wir reden über Technik, aber nicht über Macht. Wir reden über Pillen, aber nicht über Stimmen, die nicht gehört werden.
Joyline Mutai
November 23, 2025 AT 12:05Ich hab neulich meinem Arzt gesagt, ich will weniger Pillen. Er hat gesagt: „Ach, Sie wollen ja nur sparen.“ Ich hab ihn angeguckt und gedacht: „Du hast keine Ahnung, wie viel ich schon gespart habe – in meiner Lebensqualität.“ Ich hab 3 Medikamente abgesetzt, seitdem schlafe ich 7 Stunden – nicht 11. Und ja, ich hab wieder Lust auf Kaffee am Morgen. Aber nein, ich will nicht „weniger Pillen“. Ich will wieder ein Mensch sein. Nicht eine Liste auf einem Rezept.
Silje Jensen
November 23, 2025 AT 16:07ich hab das mit meinem mutter gemacht. sie nimmt 7 pillen. ich hab sie gebracht zu einer apotheke, die medikationsanalyse macht. der apotheker hat gesagt: 3 davon sind überflüssig. sie hat geweint. nicht weil sie traurig war, sondern weil sie endlich jemanden gehört hat, der nicht nur „ja, ja“ sagt. ich hab nie gedacht, dass das so schwer ist. aber es ist. die ärzte haben keine zeit. die patienten haben keine sprache. und die systeme haben keine augen.
Astrid Pavón Viera
November 24, 2025 AT 01:03ich hab mein großvater letzte woche gesehen. er hat gesagt: „ich hab heute zum ersten mal seit 5 jahren meinen kaffee ohne schwindel getrunken.“ er hat ein medikament abgesetzt. kein großes drama. kein komplizierter plan. nur ein kleiner schritt. und jetzt lacht er wieder. 🥹
Kaja Hertneck
November 24, 2025 AT 19:49Deutschland ist ein Land, das Medikamente verschreibt wie Brot – und dann wundert sich, dass die Leute alt und müde sind. Wir haben keine Kultur der Selbstbestimmung, sondern eine Kultur der Unterwerfung unter die weiße Laborkittel-Elite. Deprescribing? Ja, aber nur wenn es von oben kommt. Die Leute sollen nicht denken. Sie sollen nehmen. Und wenn sie sich beschweren? Dann bekommen sie noch eine Pille dagegen. Das ist kein Gesundheitssystem. Das ist eine pharmazeutische Religion.
Nils Heldal
November 25, 2025 AT 02:42Ich möchte nur kurz etwas hinzufügen: Es ist nicht nur wichtig, dass Patienten das Gespräch initiieren – es ist wichtig, dass Ärzte lernen, zuzuhören. Ich hab vor einem Jahr einen Kollegen beobachtet, der nach 8 Minuten Gespräch einfach sagte: „Ich verstehe, Sie wollen weniger Pillen. Wir machen das nächste Mal weiter.“ Keine Fragen. Keine Liste. Keine Vorschläge. Das ist nicht Medizin. Das ist Zeitverschwendung. Wenn wir Deprescribing wirklich wollen, dann brauchen wir nicht nur bessere Patienten – wir brauchen bessere Ärzte. Und das fängt damit an, dass wir ihnen Zeit geben. Nicht nur für die nächste Rezeptur, sondern für das Gespräch. Für die Menschlichkeit. Denn am Ende geht es nicht um Pillen. Es geht darum, dass jemand wieder atmen kann – ohne dass er sich fragt, ob er von seinen eigenen Medikamenten erstickt wird.