Ein Medikament besteht nicht nur aus dem Wirkstoff, der Krankheiten bekämpft. Tatsächlich macht der Wirkstoff oft nur ein paar Prozent der Tablette aus. Der Rest? Das sind Hilfsstoffe - auch Excipienten genannt. Sie sind nicht dazu da, zu heilen. Sie sollen das Medikament stabil halten, schmeckbar machen, schneller auflösen oder die Kapsel zusammenhalten. Doch was, wenn diese sogenannten „inaktiven“ Stoffe doch etwas bewirken? Was, wenn sie die Wirkung verändern - oder sogar gefährlich werden?
Hilfsstoffe sind alles, was in einer Tablette, Kapsel oder Injektion steckt, außer dem Wirkstoff. Das sind Zucker wie Laktose, Cellulose, Magnesiumstearat als Gleitmittel, Farbstoffe wie Tartrazin, Konservierungsmittel wie Natriumbenzoat oder sogar Süßstoffe wie Aspartam. In einer normalen Tablette können bis zu 15 verschiedene Hilfsstoffe enthalten sein. Sie machen 60 bis 99 Prozent der gesamten Masse aus. Die FDA in den USA listet über 1.500 zugelassene Hilfsstoffe für alle Arten von Medikamenten auf - von oralen Tabletten bis zu Augentropfen.
Früher dachte man: Wenn es kein Wirkstoff ist, dann ist es harmlos. Das ist eine alte Annahme - und sie stimmt nicht mehr. Eine Studie aus dem Jahr 2020 in Science zeigte: Von 314 getesteten Hilfsstoffen hatten 38 eine biologische Wirkung. Sie binden an menschliche Rezeptoren, hemmen Enzyme oder beeinflussen Zellfunktionen. Einige davon erreichen im Körper sogar Konzentrationen, die mit ihren Wirkungen im Labor übereinstimmen. Das bedeutet: Ein Hilfsstoff, der als „inaktiv“ gilt, kann tatsächlich eine pharmakologische Wirkung haben.
Nicht jeder Hilfsstoff ist ein Risiko. Die meisten sind seit Jahrzehnten sicher verwendet worden. Doch es gibt Ausnahmen - und sie sind nicht selten.
Ein Fall aus der Praxis: 2018 wurden 14 Generika des Blutdruckmittels Valsartan zurückgerufen. Nicht wegen des Wirkstoffs, sondern wegen eines Schadstoffs (NDMA), der durch einen neuen Lösungsmittel-Prozess entstanden war. Der Wirkstoff war gleich - aber ein neuer Hilfsstoff hatte eine giftige Verunreinigung ermöglicht.
Generika sollen genau wie das Originalmedikament wirken. Aber sie dürfen andere Hilfsstoffe verwenden - solange sie „nicht die Sicherheit oder Wirksamkeit beeinträchtigen“. Das klingt einfach. Ist es aber nicht.
Bei Injektionen, Augentropfen oder Ohrmedikamenten müssen Hilfsstoffe exakt gleich sein wie beim Original. Bei Tabletten und Kapseln ist das nicht nötig. Das spart Zeit und Geld - aber es birgt Risiken. Die FDA lehnt 17 Prozent der Generika-Anträge ab. Die häufigsten Gründe? Unzureichende Sicherheitsnachweise für neue Hilfsstoffe (42 Prozent) oder falsche Konzentrationen (38 Prozent).
Ein Beispiel für Erfolg: Teva brachte 2021 ein Generikum von Jardiance auf den Markt. Sie ersetzten einen Dispergierstoff (Natriumstärkeglycolat) durch Croscarmellose-Natrium. Die bioäquivalenzstudien zeigten: Die Aufnahme war identisch - Cmax und AUC wiesen nur minimale Abweichungen auf. Ein sauberer Erfolg.
Ein Beispiel für Misserfolg: Aurobindo wollte ein Generikum von Entresto herstellen. Sie ersetzten Magnesiumstearat durch Natriumstearylformiat. Die FDA lehnte ab: In vitro-Tests zeigten, dass die Tablette bei Magen-pH 6,8 15 Prozent langsamer auflöste. Das könnte bedeuten: Weniger Wirkstoff wird aufgenommen. Das Medikament wirkt nicht mehr richtig.
Hersteller haben drei Wege, um zu zeigen, dass ein neuer Hilfsstoff sicher ist:
Ein neuer Ansatz: Die FDA arbeitet an einem Computermodell, das vorhersagen kann, welcher Hilfsstoff mit welchem menschlichen Zielmolekül interagiert. Das basiert auf der Arbeit von Reker et al. (2020). Ziel: Frühzeitig Risiken erkennen - nicht erst nach der Markteinführung.
Die Welt der Hilfsstoffe verändert sich. Seit 2018 hat die FDA 14 neue Leitlinien herausgegeben - mehr als in den vorherigen zehn Jahren zusammen. Warum? Weil neue Medikamente immer komplexer werden: Langzeitfreisetzung, orale Dispergiertabletten, Kombinationspräparate - all das braucht neue Hilfsstoffe.
2023 startete die FDA einen Pilotversuch: Für 12 besonders kritische Hilfsstoffe in oralem Dispergiertabletten - wie Aspartam und Saccharin - müssen jetzt zusätzliche Sicherheitsdaten vorgelegt werden. Hintergrund: Einige Patienten berichteten von allergischen Reaktionen. Die Rate war winzig - 0,002 Prozent - aber sie existierten.
Und dann ist da noch die geplante Änderung der FDA-Verordnung 21 CFR 314.94: Ab 2025 könnte jeder neue Hilfsstoff auf 50 hochriskante biologische Ziele getestet werden müssen. Das würde die Entwicklungskosten pro neuer Formulierung um 500.000 bis 1 Million Dollar erhöhen. Die Industrie protestiert. Forscher sagen: Es ist überfällig.
Wenn Sie ein Medikament einnehmen, wissen Sie meist nicht, welche Hilfsstoffe drin sind. Die Packungsbeilage listet sie auf - aber nur als chemische Namen. Niemand sagt Ihnen: „Dieser Stoff könnte Ihre Leber belasten.“
Wenn Sie allergisch auf Laktose reagieren, ist das bekannt. Aber was ist mit Natriumbenzoat? Oder Propylenglykol? Oder Farbstoffen, die bei empfindlichen Menschen Kopfschmerzen auslösen können? Die meisten Ärzte kennen diese Zusammenhänge nicht - weil sie nie gelernt haben, dass Hilfsstoffe mehr als nur „Füllstoffe“ sind.
Einige Patienten berichten von unerklärlichen Nebenwirkungen: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden - nachdem sie von einem Original auf ein Generikum umgestiegen sind. Die Ursache? Ein anderer Hilfsstoff. Oft wird das als „psychosomatisch“ abgetan. Dabei könnte es einfach eine chemische Reaktion sein.
Die Pharmaindustrie sagt: „Hilfsstoffe sind sicher.“ Die Wissenschaft sagt: „Einige sind es nicht.“ Die Realität liegt dazwischen. Die meisten Hilfsstoffe sind harmlos. Aber nicht alle. Und wenn Sie ein Medikament einnehmen, das Ihnen lebenswichtig ist - sollten Sie nicht einfach akzeptieren, dass „es doch nur ein Füllstoff“ ist. Denn manchmal ist es genau dieser Füllstoff, der die Wirkung verändert - oder Ihnen schadet.
Astrid Garcia
Januar 4, 2026 AT 12:36Ich hab mal ein Generikum genommen und danach war ich wie betrunken – kein Witz. Der Apotheker meinte, es liegt am neuen Füllstoff. Jetzt check ich jede Packungsbeilage wie ein Geheimdienstagent. 😅
Aleksander Knygh
Januar 5, 2026 AT 20:31Oh, das ist ja ein klassischer Fall von pharmazeutischem Nihilismus – wir vertrauen blind auf Chemie, obwohl wir doch wissen, dass selbst die unsichtbaren Bestandteile eine metaphysische Wirkung entfalten können. Die moderne Medizin ist ein Theater der Illusionen. 🎭
Runa Bhaumik
Januar 6, 2026 AT 17:02Ich find’s wichtig, dass wir darüber reden – besonders als Frau mit Autoimmunerkrankung. Ich hab Jahre gebraucht, rauszufinden, dass Laktose und Farbstoffe meine Symptome verschlimmern. Nicht jeder ist ein Chemiker – aber jeder verdient eine klare Info. 💛
Tom André Vibeto
Januar 8, 2026 AT 06:09Die Hilfsstoffe sind wie die unsichtbaren Musiker im Orchester – du hörst den Wirkstoff, aber ohne sie wäre die Symphonie verstimmt, verlangsamt, manchmal sogar tödlich. Sie sind nicht nur Füllstoffe – sie sind die unsichtbare Architektur der Heilung. 🎻
Linn Leona K
Januar 10, 2026 AT 01:18Ich hab das mit Aspartam auch bemerkt – nach dem Generikum war ich total müde. Hab zurückgewechselt. War’s der Stoff? Keine Ahnung. Aber ich hab’s gespürt. 🤷♀️
Håvard Paulsen
Januar 11, 2026 AT 08:23Das ist echt krass wenn man drüber nachdenkt. Ich hab nie gedacht, dass ein Füllstoff mich krank machen kann. Aber jetzt check ich die Liste. Einfach so. Weil es besser ist, vorsichtig zu sein als später zu bereuen. 👍
Tanja Brenden
Januar 12, 2026 AT 03:38HALT! STOPP! WIR MÜSSEN DAS ÄNDERN! 🚨 Jeder, der ein Medikament nimmt, sollte eine klare, verständliche Liste der Hilfsstoffe bekommen – mit Erklärung, nicht nur Chemie-Namen! Ich hab eine Freundin, die nach jedem Generikum Kopfschmerzen hat – und keiner nimmt sie ernst. Das ist nicht fair! 💪
Nina Kolbjørnsen
Januar 13, 2026 AT 03:26Ich hab das mit dem Natriumbenzoat nicht gewusst – aber jetzt check ich auch meine Zahnpasta. 😅 Wer hätte gedacht, dass das in so vielem steckt? Danke für den Hinweis!
Thea Nilsson
Januar 14, 2026 AT 06:32Die Industrie sagt, es sei sicher. Die Wissenschaft sagt, es könnte gefährlich sein. Und du? Du nimmst es trotzdem, weil du keine Wahl hast. 😏
Lars Ole Allum
Januar 14, 2026 AT 09:07Wenn du nicht weißt, was in deiner Tablette ist, bist du einfach zu blöd für Medikamente. Jeder kann die Packungsbeilage lesen. 🤦♂️
Øyvind Skjervold
Januar 15, 2026 AT 03:23Ich finde es wichtig, dass du das ansprichst – aber bitte nicht mit Angst. Mit Wissen. Viele Ärzte wissen es auch nicht. Aber wenn du deine Reaktionen dokumentierst und sie deinem Arzt zeigst, dann wird es ernst genommen. Du bist nicht allein. 🤝
Jan Tancinco
Januar 16, 2026 AT 02:39Das ist ja absurd! In Deutschland wird das alles streng kontrolliert! Ihr Norweger habt doch keine Ahnung von Pharmazie! 😅
Barry Gluck
Januar 16, 2026 AT 13:57Interessant, dass du das mit der bioäquivalenten Auflösung erwähnst – ich hab neulich ein Paper gelesen, wo genau das bei einem Antidepressivum passiert ist. Die Kapsel löste sich zu langsam, weil sie Magnesiumstearat durch Siliziumdioxid ersetzten. Die Patienten hatten plötzlich keine Wirkung mehr. 🤔
Péter Braun
Januar 17, 2026 AT 14:12Es ist einfach unverantwortlich, dass die FDA so lax ist. Wer diese Hilfsstoffe in Medikamente einsetzt, sollte strafrechtlich belangt werden. Das ist medizinischer Wahnsinn – und eine Schande für die Wissenschaft. 🚫💊